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Internationale Experten für Strahlenunfälle trafen sich in Würzburg 2014

Internationale Experten für Strahlenunfälle trafen sich in Würzburg
Internationale Experten für Strahlenunfälle trafen sich in Würzburg

 

Was tun bei Reaktorkatastrophen und gesundheitsschädlicher Strahlenexposition? Drei Tage lang war Würzburg der Treffpunkt der Weltelite für das organisatorische und medizinische Management von Strahlenunfällen. Gastgeber war die Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Würzburg.

Vom 7. bis 9. Mai 2014 fand in Würzburg die 14. internationale REMPAN-Tagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) statt. Das REMPAN-Netzwerk (Radiation Emergency Medical Preparedness Network) widmet sich der medizinischen Vorsorge und Behandlung bei Strahlenunfällen. Deutschland wird im REMPAN-Netzwerk seit dem Jahr 2005 durch ein an der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Würzburg etabliertes Kollaborationszentrum vertreten. Auf Einladung dieser Einrichtung kamen aus 26 Ländern aller Kontinente knapp 100 Mediziner, Strahlenbiologen, Strahlenphysiker sowie Vertreter von Behörden und Organisationen an den Main.
Das dicht gedrängte wissenschaftliche Programm der dreitägigen Tagung sprach verschiedene Aspekte der organisatorischen Bewältigung von Strahlenunfällen und des medizinischen Managements von Gesundheitsschäden an. Darüber hinaus diente die Tagung auch dem Erfahrungsaustausch der Mitglieder von derzeit 19 REMPAN-Kollaborationszentren weltweit.

Schwerpunktthema Fukushima: Drei Jahre danach
Ein Schwerpunktthema bildete der jetzt drei Jahre zurückliegende Reaktorunfall von Fukushima. Die 16 Mitglieder starke japanische Delegation berichtete über aktuelle Untersuchungsergebnisse und Erkenntnisse zu den Gesundheitsfolgen für Bevölkerung, Ersthelfer und Arbeiter. Der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, Prof. Christoph Reiners, der das Würzburger WHO REMPAN-Kollaborationszentrum zusammen mit Dr. Rita Schneider leitet, fasst die zentralen Botschaften der japanischen Kollegen zusammen: „Derzeit kann festgestellt werden, dass es weder bei den Arbeitern auf der Anlage und den Ersthelfern, noch bei der Bevölkerung zu ernsthaften akuten strahlenbedingten Gesundheitsschäden gekommen ist. Besonderer Beobachtung im Rahmen von Vorsorgeprogrammen bedürfen allerdings diejenigen Arbeiter, die verhältnismäßig hohe Strahlendosen erhielten.“
Bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wurde im Vergleich zu Fukushima eine etwa zehnfach höhere Radioaktivitätsmenge freigesetzt. Hier kam es mit einer Latenzzeit von vier bis fünf Jahren bei Kindern der betroffenen Bevölkerung zu einem Anstieg von Schilddrüsenkrebs. „Im Gegensatz zu Tschernobyl wurden in Fukushima rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen, wie die Evakuierung der Bevölkerung und die Kontaminationskontrolle der Nahrung. Daher wird das Risiko für einen Anstieg von Schilddrüsenkrebsfällen bei japanischen Kindern derzeit als äußerst gering eingeschätzt“, berichtet Prof. Reiners. Dennoch habe Japan ein Vorsorgeprogramm für 360 000 Kinder aufgelegt, das Schilddrüsenveränderungen frühzeitig erkennen soll.

Stammzelltransplantation und Jodblockade

Weitere Tagungsthemen widmeten sich organisatorischen und technischen Fragen des Strahlenunfallmanagements sowie neuen Ansätzen bei der Behandlung von Strahlenunfallpatienten. Dabei ging es nicht nur um Reaktorunfälle, sondern auch um wesentlich kleinere und häufigere Strahlenunfälle in Industrie und Medizin. „Bei deren Therapie spielt die Stammzelltransplantation eine zunehmend bedeutende Rolle“, schildert Prof. Reiners.
Einen hohen Stellenwert nahm ferner die Aktualisierung der WHO-Empfehlungen für die Durchführung der sogenannten Jodblockade bei Reaktorunfällen ein. Darunter versteht man die vorbeugende Einnahme von stabilem, das heißt nicht radioaktivem Iod, um die Aufnahme von radioaktivem Iod in die Schilddrüse zu vermeiden und damit die Entstehung von Schilddrüsenkrebs zu verhindern. Die entsprechenden Leitlinien zur Prophylaxe werden derzeit unter der Federführung des Würzburger REMPAN-Kollaborationszentrum überarbeitet.
Laut Prof Reiners waren die Tagungsteilnehmer sehr angetan vom wissenschaftlichen Programm und begeistert von der Stadt Würzburg, der Universität und dem Universitätsklinikum.